|
|
Johannes
Heinrichs
Handlungen.
Das periodische System
der Handlungsarten
(Philosophische
Semiotik, Teil I)
ISBN:
978-954-449-319-6
512
Seiten
16,00 €
Der
Mensch hat vor gut 200 Jahren seine Pflanzen- und Tierwelt wissenschaftlich
zu ordnen begonnen. Das Periodensystem der chemischen Elemente wurde
dann 1869 gleichzeitig von Mendelejew und Meyer entdeckt. Bezüglich
der Arten seines eigenen Handelns hat es die philosophische Handlungstheorie
jedoch noch keineswegs zu einer ernst zu nehmenden, geschweige denn
anerkannten Systematik gebracht. Die philosophischen, sozialwissenschaftlichen
und psychologischen „Handlungswissenschaften“ florieren
zwar wie Wildwuchs. Es gibt in ihnen zahlreiche Modeströmungen,
doch keine verbindlichen Standards. Scheinbar empfinden die davon
Lebenden auch nicht die Notwendigkeit, sich auf solche zu einigen.
Heinrichs geht an die Handlungssystematik heran, indem er Handlung
als Prozess der praktischen Reflexion, als Selbstbezug-im-Fremdbezug,
sowie als gewollte Veränderung von Weltteilen erfasst. Nach
den Arten des zu Verändernden gewinnt er die obersten vier
Handlungsgattungen. Das „fraktale“ Verfahren der wieder
entdeckten und auf den Begriff gebrachten dialektischen Subsumtion
führt in einer phänomenologischen Rekonstruktion unseres
alltäglichen Handelns von vier Gattungen zu 256 Handlungsklassen.
Auch wenn die Grundlegung anfangs noch etwas fachphilosophisch anmutet,
so gelingt die überraschende Rekonstruktion unserer Handlungswelt
fortschreitend in geradezu amüsanter Weise. Damit sind zwar
sowenig alle handlungswissenschaftlichen Probleme gelöst, wie
mit dem Periodensystem der Elemente die Chemie am Ende wäre.
Es werden lediglich systematische Grundlagen gelegt, auf die künftige
Handlungswissenschaften nicht mehr verzichten können.
Es handelt sich um ein ebenso anspruchsvolles wie bescheidenes Unterfangen,
bei dem der Autor manche „Päpste“ des gegenwärtigen
Wissenschaftsbetriebes in Frage stellt. Der angefügte Offene
Brief an Jürgen Habermas liefert nur das deutlichste Beispiel
dafür. Der Leser gewinnt das Gefühl, einer philosophiegeschichtlichen
Wende beizuwohnen. Gleichzeitig meint man, den „alten“
Hegel triumphierend auf sein Katheder klopfen zu hören: „Die
wahre Gestalt, in welcher die Wahrheit existiert, kann allein das
wissenschaftliche System derselben sein. Indem die wahre Gestalt
der Wahrheit in diese Wissenschaftlichkeit gesetzt wird, so weiß
ich, dass dies im Widerspruch mit einer Vorstellung und deren Folgen
zu stehen scheint, welche eine so große Anmaßung als
Ausbreitung in der Überzeugung des Zeitalters hat.“
|